Konstruktion und Formulierung

Formulierung und Konstruktion der Fragebogenitems / Situationsitems 

Nachdem die inhaltliche Konzeption der einzelnen Items geklärt war, bestand der nächste Schritt darin, diese sprachlich so zu formulieren, dass die Anwender des Inventars beim Lesen eines Items auch den eigentlichen Inhalt ohne Verzerrung bzw. besondere kognitiven Anstrengungen dekodieren konnten. Wie schwierig der Übergang von einer inhaltlichen Konzeption zu einer sprachlichen Formulierung ist, wird von Tränkle (1983) wie folgt beschrieben.

Die Formulierung von Fragen wird von den meisten Autoren als „Kunst“ betrachtet, deren Grundlagen nicht am Schreibtisch, sondern nur in langer Erfahrung erworben werden kann. Demgemäß sind auch „Regeln“ für die Formulierung von Fragen, wie sie in der Literatur vielfach angeführt werden, soweit sie konkret sind, bestenfalls Ausfluss solcher Erfahrungen und unbewiesen oder so abstrakt, dass sie zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht falsch, aber dafür auch wenig hilfreich sind (vgl. Tränkle U., 1983, S. 251).

Mit Hilfe dieser Feststellung von Tränkle sollte darauf hingewiesen werden, dass es für die Formulierung von Items keine expliziten Regeln gibt. Deshalb ist  jeder Autor gefordert, sich selbst Regeln zu erstellen, nach denen er bei der Formulierung vorgeht.

Bei der sprachlichen Formulierung der Items wurde versucht, darauf zu achten, dass folgende Punkte berücksichtigt werden.

  • Jede Frage sollte eindeutig sein. Deshalb wurde darauf geachtet, dass sie nur einen relevanten Gesichtspunkt enthält
  • Die Fragen wurden so „neutral“ wie möglich formuliert (keine Unterstellungen)
  • Die Verwendung von Fachtermini und komplizierten Ausdrücke wurde vermieden
  • Die Beispiel- Items wurden so formuliert, dass sie dazu beitragen, die angesprochenen Themen und Bereiche besser zu verstehen zu können

Im Zuge der Diplomarbeit wurde ausführlich erörtert, welche Möglichkeiten es zur Erfassung ausgewählter Aspekte zur sozialen Kompetenz bei MmB gibt. Für das I-S-K-I-E wurde eine Methode ausgewählt, mit dessen Hilfe man spezifische Aspekte einschätzen kann und die sich auf reale Beobachtungen zurückführen lassen. Somit wird die Beurteilung bzw. Einschätzung nicht mehr nur auf rein subjektiver bzw. kognitiver Ebene, sondern in Hinblick auf  konkret beobachtete Handlungen vorgenommen. Diese spezifisch beobachteten Aspekte von Handlungen lassen sich eingeschränkt auch auf andere Handlungen generalisieren und übertragen. Genau darin besteht auch das Wesen dieses Instrumentes. Mit Hilfe der vielen differenzierten Fragestellungen in Form von Situationsitems sollten sog. Teilaspekte erhoben werden, die für eine komplexe Handlung notwendig sind bzw. eine Voraussetzung darstellen.

Bei I-S-K-I-E wird nun davon ausgegangen, dass die Summe aller Teile das „Ganze“ prägt und das „Ganze“ auch erst möglich macht. Der Anspruch dieses Inventars besteht darin, alle  relevante Teilaspekte in Hinblick auf die soziale Kompetenz zu erheben, die  die Voraussetzung für die zufrieden stellende Durchführung  komplexer Handlungen darstellen.

Zum Beispiel Streit: Welche Fähigkeiten muss eine Person generell mitbringen um einen Streit überhaupt produktiv durchführen zu können. Gewisses Maß an metakognitiven Kompetenzen, sprachlichen Kompetenzen, selbstregulierenden Kompetenzen, usw.

Es wird davon ausgegangen, dass es in den meisten Fällen so ist, dass nur einzelne relevante Aspekte „defizitär“ sind. Würden diese relevanten Aspekte besser ausgeprägt sein, würde die Person in der Gesamtheit auch produktiver mit der Situation umgehen können.

Grundannahme ist, dass man von spezifischen Fähigkeiten auf das Gelingen einer komplexen Handlung Rückschlüsse ziehen kann. Jede Handlung beinhaltet viele kleine Fähigkeiten, die für die positive Umsetzung der Handlung als solche eine Voraussetzung darstellen. Bei I-S-K-I-E wird  davon ausgegangen, dass viele Menschen mit Behinderung partielle Defizite aufweisen und deshalb gewisse Handlungen nicht ohne Unterstützung umsetzen können. Dies hat zur Folge, dass sie sich nicht als „handlungswirksam“ erfahren und erleben können und deshalb resignieren bzw. kein „gesundes“ Selbstwert- und Selbstwirksamkeitsgefühl entwickeln können. Dieser Umstand hat zur Folge, dass Menschen mit Behinderung sich in einem hohen Ausmaß von der Umwelt abhängig fühlen und sie es sich in vielen Fällen gar nicht vorstellen können, dass sie eine Handlung selbständig, ohne Unterstützung durchführen können.

Mit I-S-K-I-E wird nun in Hinblick auf die soziale Kompetenz versucht, ausgewählte spezifische Fähigkeiten, entweder vom Betroffenen selbst oder einer Bezugsperson einschätzen zu lassen. Diese Einschätzungen können dann in weiterer Folge herangezogen werden um die spezifischen Stärken und  Schwierigkeiten, die für die Durchführung einer sozialen Handlung notwendig sind, zu erfassen.

 Ein Beispiel sollte näher verdeutlichen, was hiermit gemeint ist:

Schritte der Generalisierung vom beobachteten Verhalten bis zur definierten Handlung

Aufbau eines Situationsitems

Die „Situationsschilderungen“ beinhalten eine Anzahl von Beispielen, die für die Konstruktion der Items verwendet wurden, um die gewonnenen Bereiche und Themen besser erklären und konkretisieren zu können. Das Beispiel in folgender Abbildung sollte für mehr Transparenz sorgen.

Zusammensetzung der Fragebogenitems

In diesem Manual wurde versucht, die wichtigsten Informationen das Instrument I-S-K-I-E betreffend, zu erläutern. Aufgrund des Umfangs ist es nicht möglich, im Manual noch differenzierter auf gewisse Sachverhalte einzugehen. Hierzu wird auf die Univ. Diplomarbeit von Walter Krug 2001 verwiesen.