Modell zur sozialen Kompetenz

Das Modell zur sozialen Kompetenz bei I-S-K-I-E

Modell zur sozialen Kompetenz bei erwachsene Menschen mit einer intellektuellen Behinderung bzw. einer sog. Lernbehinderung

Wie die grafische Darstellung erkennen lässt, stellt die Gesellschaft und Kultur den dreidimensionalen Rahmen für das Modell dar. Dadurch sollte auch darauf hingewiesen werden, dass sämtliche Einschätzungen / Beurteilungen der sozialen Kompetenz unmittelbar durch  Werte, Normen und Vorstellungen einer Gesellschaft  beeinflusst werden.

Im Gegensatz zu anderen Modellen der sozialen Kompetenz, stellt hier das Konstrukt der sozialen Kompetenz keine Instanz beim betroffenen Individuum dar, sondern wurde ganz bewusst der Umwelt  als Instanz zugeordnet.

Selbstverständlich wird damit nicht zum Ausdruck gebracht, dass die soziale Kompetenz beim Individuum keine Instanz repräsentiert. Jedoch weisen die Ergebnisse der Erhebungen (siehe dazu auch Diplomarbeit von Walter Krug 2001) ganz klar darauf hin, dass die Interpretation, die  Analyse, die Definition, usw. dieses Konstruktes nicht aktiv durch Menschen mit Behinderung betrieben, sondern überwiegend durch die Umwelt vorgenommen wird. Vielerorts wird versucht, gewisse Anpassungsleistungen von den Betroffenen abzuverlangen, um diese besser in ein System eingliedern zu können, welches ein individuelles Modell über das Verständnis von sozialer Kompetenz hat.

Beispielsweise gibt es zwischen dem Baugewerbe und der Gastronomie zum Teil völlig konträre Vorstellungen von sozialer Kompetenz.

Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass die Vorstellungen über das, was  soziale Kompetenz ist bzw. als solche gilt, sehr stark von  Bereichen und Situationen abhängig ist.

In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass die Basis für die Beurteilung der sozialen Kompetenz das „beobachtbare Verhalten“ ist, welches sich zwischen dem Individuum und der Umwelt ereignet.

Deshalb wird der sog. Interaktionskompetenz auch eine große Bedeutung beigemessen. Denn durch die Interaktion mit der Umwelt, lassen sich Rückschlüsse ziehen, welche Fähigkeiten ein Individuum in Hinblick auf die Selbstregulation, die individuelle Flexibilität und die meta-kognitiven Kompetenzen hat.

In diesem Modell stellen die vier oben definierten Hauptkategorien die tragenden Säulen dar. Besondere Bedeutung wird wie bereits erwähnt, der Kategorie “ Merkmale zur Interaktionskompetenz“ zugewiesen. Sie stellt sozusagen das Bindeglied zwischen den Kategorien „Merkmale zur individuellen Flexibilität“ den „Merkmalen zur selbst-regulativen Kompetenz“ und der Kategorie „Merkmale zur meta-kognitiven Kompetenz“ dar. Die „Interaktionskompetenz“ kann als Voraussetzung bzw. als Sprachrohr betrachtet werden, um mit der Umwelt in Interaktion treten zu können.

Bei der Kategorie „Merkmale zur individuellen Flexibilität“ wird die individuelle Flexibilität in verschiedenen Interaktionssituationen angesprochen. Es wird versucht, die Flexibilität zwischen dem Individuum und der Umwelt sowie auch den zur Verfügung stehenden Handlungsraum zu beschreiben, der zwischen dem Individuum und der Umwelt besteht. Ebenfalls wird  der Flexibilität im Umgang mit den intrapersonellen  psychischen und kognitiven Prozessen eine große Bedeutung beigemessen. Bei Döpfner (1989) lassen sich diesbezüglich Entsprechungen in den von ihm definierten Komponenten  der „kognitiven- sozialen Kompetenz“ und „aktionalen- sozialen Kompetenz“ finden.

Die Kategorie „Merkmale zur selbst-regulativen Kompetenz“ beinhaltet primär Merkmale, die sich mit den intrapersonellen „regulativen“ Prozessen, ausgelöst durch eine soziale Situation, auseinandersetzen. Auch die Fähigkeit, mit den emotionalen „Regungen“, umgehen zu können, ist ein wesentlicher Punkt. Weiters beschäftigt sich diese Kategorie mit der individuellen Wahrnehmung dieser „emotionalen Regungen“ und den motivationalen Kräften, die bei der Person zum Tragen kommen.

Auch bei dieser Kategorie lassen sich Ähnlichkeiten mit der Komponente „emotionale Kompetenz“ von Döpfner (1989) erkennen.

Die vierte Kategorie „Merkmale zur meta-kognitiven Kompetenz“ beinhaltet vordergründig Merkmale, die sich mit den „allgemeinen kognitiven Prozessen“ einer Person, auseinandersetzen. Den Schwerpunkt bilden dabei die „meta-kognitiven Prozesse“, die bei der Ausprägung der Überblicksgewinnung, dem Erkennen der eigenen Grenzen, dem Planen und Handeln, der Perspektivenübernahme und der kritischen Kontrolle, usw. einen gewichtigen Einflussfaktor darstellen. Wie schon bei den vorangegangenen  Kategorien, lässt sich auch hier eine Verknüpfung mit der Komponente „kognitive- soziale Kompetenz“ von Döpfner (1989) herstellen.

Ebenfalls stellen für Lauth (1991) metakognitive Prozesse einen wichtigen Bereich dar, bei dem Lernbehinderte häufig Defizite aufweisen.

„Defizite im Bereich der Strategiebefolgung äußern sich vor allem im Bereich so genannter Metakognitionen. Metakognitionen bezeichnet die Bewusstheit der eigenen kognitiven Prozesse, die sich insbesondere in der Handlungskontrolle (Steuerung und Überwachung des eigenen Handelns) und der Handlungsorganisation (Planen und Ableitung komplexen Verhaltens) äußern.“ ( Lauth, 1991, S. 175)

Weiters schreibt Lauth (1991), dass strategisches Verhalten –  hierbei insbesondere die Organisation und Steuerung komplexer Abläufe – unter dem Begriff meta-kognitiver Kompetenzen zusammengefasst werden kann (vgl. 1991, S.75f.).

Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen dem hier diskutierten Modell und dem Modell von Döpfner besteht darin, dass Döpfner zum Einen die „emotionale- soziale Kompetenz“ und zum Anderen die Informationsverarbeitung und das Dekodieren sozialer Informationen eine große Bedeutung zuspricht.

Vermutlich hat die „Interaktionskompetenz“ für diese Arbeit deshalb  eine so große Bedeutung, weil bei Menschen mit Behinderung häufig beobachtet werden  kann, dass sog. Basiskompetenzen, die für eine zufrieden stellende Interaktion mit anderen Menschen notwendig sind, nur schwach oder gar nicht vorhanden bzw. ausgeprägt sind.