Soziale Kompetenz und intellektuelle Behinderung

Soziale Kompetenz und intellektuelle Behinderung

Bei aller Unterschiedlichkeit der verschiedenen Ansätze zur sozialen Kompetenz ist ihnen doch gemeinsam, „dass sie das erfolgreiche Realisieren von Zielen und Plänen in sozialen Interaktionssituationen“ als wesentliches Merkmal sozialer Kompetenz hervorheben (vgl. Greif, 1983, S. 312).

Bei Menschen mit einer intellektuellen Behinderung kann man meines Erachtens jedoch nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass diese Personengruppe, die, für die Realisierung von Zielen und Plänen notwendigen kognitiven, emotionalen und motorischen Voraussetzungen immer zur Verfügung haben.

Es kann deshalb auch vorkommen, dass jemand beim Versuch, eine soziale Situation zu bewältigen, scheitert und dieser Bewältigungsversuch von der Umwelt als sozial inkompetentes Verhalten beurteilt wird. Jedoch stellt sich bei näherer Betrachtungsweise heraus, dass dieses Verhalten aufgrund mangelnder Perspektivenübernahme, schlechter Informationsverarbeitung, Schwierigkeiten beim Dekodieren sozialer Informationen, usw. verursacht wurde. Deshalb könnte man auch sagen, dass das Individuum in Hinblick auf die ihm zur Verfügung stehenden Fähigkeiten sich in einer gewissen Situation sozial kompetent verhalten hat. Diese Interpretation setzt natürlich voraus, dass man nicht „ergebnisorientiert“, wie dies Greif z.B. in seiner oben angeführten Feststellung macht, sondern „prozessorientiert“ vorgeht.

Als eine am Prozess orientierte Definition könnte man die von Sroufe und Waters (1983) bezeichnen.

Sie bezeichnen die soziale Kompetenz als das übergeordnete Organisationsprinzip, welches das Selbst und die Ressourcen der Umwelt mit dem Ziel der Selbst-Erhaltung und Selbst-Entwicklung in eine möglichst günstige Beziehung setzt (vgl. Holtz, 1994, S. 139).

In dieser Definition lässt sich einerseits der Hinweis auf einen Prozess erkennen, in dem soziale Kompetenz als das übergeordnete Organisationsprinzip bezeichnet wird und andrerseits eine Orientierung am Ergebnis, wenn von einem Ziel wie der Selbst-Erhaltung und Selbst-Entwicklung gesprochen wird.